Wiedereingliederung

Soziale, landwirtschaftliche Kooperativen in Zusammenarbeit mit dem Partnerverein Kilimani City

Gemeinsam mit unserem Partnerverein Kilimani City entstand 2016 die Idee, jungen (bis Anfang 30) und niedrig qualifizierten Frauen und Männern, die in großer Armut leben, eine berufliche Perspektive zu geben. Diese jungen Menschen finden oft keine Möglichkeit, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Grund dafür ist meistens die Herkunft aus sehr armen Familien, und daraus folgend eine niedrige Schulbildung. Die armen Familien können sich keine über die Grundschule hinausgehende Schulbildung für ihre Kinder leisten. Darüber hinaus wollen wir auch sozial ausgegrenzte Menschen, Menschen mit Behinderung oder HIV-Positive in die Kooperativen integrieren. Wir legen zudem Wert darauf, möglichst vielen Frauen eine berufliche Perspektive zu geben und ihnen damit zu einem selbstbestimmten Leben zu verhelfen.

14853078_1151699061593741_2391446347551023951_o mitglied 14633560_1153452048085109_4546114278840119872_oZusammen mit Hilfe für Sansibar und Kilimani City sammelten die jungen Frauen und Männer Ideen für Projekte, arbeiteten dann auch gemeinsam an deren Planung und Umsetzung, so dass von den jungen Leuten selbst entwickelte Projekte entstanden. Die eigene Entwicklung und Umsetzung der Projekte bestärkt nicht nur ihre Motivation und Begeisterung für die Projekte, sondern ermöglicht, dass die jungen Leute ihr wertvolles Wissen über örtliche Gegebenheiten in die Projektgestaltung einfließen lassen können. Damit wollen wir gewährleisten, dass nur Projekte realisiert werden, die auf Grund der Rahmenbedingungen funktionieren und Aussicht auf Erfolg haben. Die Leitung und Betreuung der Kooperativen erfolgt durch Kilimani City. Aus den Projektideen entstanden drei Kooperativen. Zunächst starteten wir mit einer Seegurkenfarm. Dann kamen die Kooperativen zu Gemüse- und Obstanbau und Hühnerhaltung hinzu.

 

Die Seegurkenfarm - ein voller Erfolg

bauSeegurkenfarm 14715425_1151699114927069_783448811614918959_o 15000621_1163116300452017_1134850091382091778_oDie Seegurkenfarm ist die erste Farm ihrer Art auf Sansibar. Die Idee dazu entstand in Kooperation mit Mitarbeitern der Universität Sansibar. Die Gewässer um Sansibar sind perfekt zum Anbau von Seegurken geeignet. Da die Regierung den Anbau fördern möchte, bekam die Kooperative kostenlos einen Strandabschnitt für die Seegurkenfarm zugewiesen. Mit einer Anschubfinanzierung - dank zweckgebundener Spenden - wurden Zäune gebaut und werden Mitarbeiter bezahlt. Die Mitarbeiter haben Seegurken gesammelt, die sich nun in der Farm vermehren. Alles, was sie dazu brauchen, finden sie im Meer. Es ist keinerlei Fütterung nötig. Seegurken sind sehr gesund und können günstig angebaut werden. Zur Erntezeit, wenn die Seegurken eingesammelt werden müssen, sind die Mitglieder der Kooperative Tag und Nacht im Einsatz. Und die dann gut gefüllte Farm muss auch Tag und Nacht bewacht werden. Nach der Ernte werden die Seegurken gekocht und getrocknet.

seegurkeMeeresbiologin seegurkeWissenschaftler2 seegurkeWissenschaftlerDie Kooperative hat bereits viel öffentliche Aufmerksamkeit und Anerkennung erfahren. So war neben dem sansibarischen Landwirtschaftsminister auch die Deutsche Welle Kiswahili vor Ort, um einen Fernsehbeitrag zu drehen. Aber auch außerhalb Sansibars stößt die Kooperative auf großes Interesse. So besuchte im April 2017 eine Meeresbiologin aus den USA die Kooperative. Im Juli 2017 nahmen dann auf Einladung der chinesischen Botschaft einige Mitglieder der Kooperative an einer Fortbildung teil, der von chinesischen Wissenschaftlern geleitet wurde. Ziel der Fortbildung war es, Wissen über Anbau und Zucht von Meeresfrüchten, sowie deren Verbreitung auszutauschen. Bei einem Besuch der Seegurkenfarm zeigten sich die Wissenschaftler von der bisherigen Arbeit der Kooperative vor Ort beeindruckt und gaben Tipps für die weitere Verbesserung des Anbaus.

Mittlerweile baut die Kooperative auf Bitten des für Jugend- und Frauenförderung zuständigen Ministeriums auch in anderen Dörfern Sansibars Seegurkenplantagen auf, um Arbeitsplätze für die häufig chancen- und perspektivlosen Jugendlichen in den Dörfern zu schaffen. Die Kooperative produziert zunächst für den lokalen Markt, um dazu beizutragen, die vorherrschende Mangelernährung zu verringern. Seegurken sind allerdings eine Delikatesse in vielen asiatischen Ländern und werden dort zu hohen Preisen importiert. Mittelfristig könnte durch den Verkauf in asiatische Länder genug Gewinn erwirtschaftet werden, um weitere Projekte zu finanzieren. Erste Kontakte zu chinesischen Unternehmen und zur chinesischen Botschaft sind bereits geknüpft. Aber auch durch den Verkauf im Inland kann sich die Kooperative inzwischen selbst finanzieren und hat ihre Seegurkenplantage bereits vergrößert. Auch die momentan neu entstehenden Seegurkenplantagen in anderen Dörfern werden in die Kooperative integriert, wodurch gewährleistet ist, dass die erwirtschafteten Gewinne auch tatsächlich an die Mitglieder der Kooperative ausgeschüttet werden.

 

Die Gemüse- und Obstkooperative

banane2 gemüsekoopNeuesLandDie zweite Kooperative, die Obst- und Gemüsekooperative, baut momentan Bananen, Papaya, Melonen, sowie Spinat und Maniok für den lokalen Markt an. Dafür wurde der Kooperative ein Stück Land kostenlos zur Verfügung gestellt, das zuvor brachlag. Auch diese Kooperative erhielt eine durch Spenden ermöglichte Anschubfinanzierung zum Kauf von Werkzeugen und Saatgut. Mittlerweile kann sich die Kooperative selbst finanzieren und ermöglicht sichere und fair bezahlte Arbeitsplätze. Außerdem leistet auch diese Kooperative einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssituation, da auf Sansibar zu wenig Nahrungsmittel angebaut werden und importierte Produkte zu teuer sind.

gemüsekoopTomaten tomatenernteKilimani City wurde ein weiteres brachliegendes und zum Anbau sehr gut geeignetes Grundstück für den Ausbau der Kooperative angeboten. Dank Spenden konnten wir den Bau eines Brunnes finanzieren, um die Bewässerung in den Trockenzeiten zu gewährleisten. Grundwasser ist auf Grund von ausgedehnten Süßwasserreservoirs unter Sansibar ausreichend vorhanden. Auf Grund der verbesserten Bewässerung macht die Kooperative große Fortschritte und erweitert den Gemüseanbau auf dem neuen Grundstück. Im Moment pflanzt die Kooperative Tomaten - tungule auf Kiswahili - auf dem neuen Feld. Für Informationen zum Tomatenanbau hatten die Mitglieder schon einen erfahrenen Tomatenanbauer besucht. Zur effektiveren Bewässerung soll der Brunnen nach Möglichkeit mit einer kleinen Solaranlage ausgestattet werden. Kann da zufällig jemand helfen? Gebraucht werden: 1. Solar panels 4 (150 watts), 2. Charger controler 50 Amp, 3. Inverter 3500 watts (pure sign wave)

 

Die Hühnerkooperative

15732674_1217556501674663_7226214906170437138_o hühnerfarmBauStallDie dritte Kooperative zur Hühnerhaltung besteht aus zwei Gruppen. Die eine Gruppe hat einige Zuchthähne und –hennen erworben und züchtet nun Hühner, um Eier und Fleisch auf dem lokalen Markt zu verkaufen. Die zweite Gruppe kauft auf dem Festland Küken, zieht diese groß und verkauft sie anschließend weiter. Mit der über Hilfe für Sansibar zur Verfügung gestellten Startfinanzierung wurden Ställe, Zäune für die Freigehege, sowie Hühner gekauft. Das Grundstück wurde von Mitgliedern von Kilimani City kostenlos zur Verfügung gestellt. Großen Wert wird auf die artgerechte Haltung der Tiere gelegt. Neben dem Bewusstsein für artgerechte Haltung, erzielen Hühner aus Freilandhaltung einen höheren Preis. Kunden bevorzugen diese Hühner, weil sie mit der Qualität von Hühnern, die in winzigen Käfigen unter Einsatz von Medikamenten großgezogen werden, schlechte Erfahrungen gemacht haben. Die Kooperative fand rasch genügend Abnehmer, da auch Hühner und Eier auf Sansibar Mangelware sind, und kann sich inzwischen selbst finanzieren. Mittlerweile hat die Kooperative einen weiteren Hühnerstall auf dem neuen Grundstück, wo auch der Brunnen steht, gebaut. Den Bau des Hühnerstalls hat die Kooperative aus eigener Kraft finanziert. Durch die Erweiterung vermehren sich die Bestände auf der Hühnerfarm und auch diese Kooperative vergrößert sich stetig.

kuekenDa unsere landwirtschaftlichen Kooperativen sehr erfolgreich sind, zeigen immer mehr junge Menschen aus verschiedenen Stadtteilen und Dörfern Interesse, sich entweder an einer der bestehenden Kooperativen zu beteiligen, oder eine neue Kooperative zu gründen. Dazu bräuchten sie jedoch Startkapitel, um Ausrüstung und Werkzeug sowie ein geeignetes Grundstück zu erwerben, einen Stall oder einen Brunnen zu bauen und Saatgut oder erste Hühner zu kaufen. Wer den Aufbau einer weiteren Kooperative unterstützen und damit den Beginn einer weiteren Erfolgsgeschichte ermöglichen möchte, ist uns herzlich willkommen!

Im Januar 2018 besuchte unser Vorstand die Kooperativen und konnte sich davon überezugen, dass zahlreiche Teile der Kooperativen wie Seegurken-, Gemüse- und Tomatenanbau inzwischen Gewinne abwerfen und sich selbst finanzieren. Das Ziel ist nun die Kooperativen zu erweitern, um damit weiterer Arbeitsplätze für sozial ausgegrenzte Menschen zu schaffen. Außerdem sollen weiterer Mitglieder der Kooperativen an Fortbildungen teilnehmen und die Erzeugnisse zu Saft, Tomatenpaste, Kokosöl und anderes weiterverarbeitet werden.

Landwirtschaftliche Kooperativen auf Pemba

2 3Die Frauen der Ndizi Kooperative aus dem Dorf Wingwi Kichangani haben sich zusammengeschlossen, um ihre schwierige Lebenssituation aus eigener Kraft zu verbessern. Die Frauen leben alle in großer Armut, da ihre Männer zu wenige Einkünfte erzielen. Um unabhängiger zu werden und sich und ihre Kinder besser versorgen zu können, haben die Frauen beschlossen, eine Bananenplantage aufzubauen. Dies ist ihnen auch gelungen, aber der Gewinn, den der Verkauf der Bananen abwarf, war zu gering, um mehr und besseres Werkzeug anzuschaffen, sowie die Plantage zu vergrößern. Hilfe für Sansibar übernahm im Sommer 2016 die Kosten, weil dadurch die Einnahmen der Kooperative gesteigert und vor allem weitere Frauen des Dorfes in der Kooperative beschäftigt werden können. Auch eine Fortbildung wurde finanziert, in der die Frauen effektivere Anbaumethoden lernten. Im Juli 2017 unterstützten wir erneut die Kooperative, um Erde und Kuhdung zu beschaffen. Beim Besuch des Vorstands im Januar 2018 konnte er sich von der erfolgreichen Arbeit der Frauen überzeugen. Mittlerweile arbeiten 23 Frauen in der Kooperative und konnten ihre finanzielle Situation durch diese Arbeit deutlich verbessern. Die Kooperative integriert auch ältere, kranke Frauen sowie eine unter Albinismus leidende Frau und unterstützt diese solidarisch, obwohl sie nur bedingt auf der Plantage arbeiten können. Im Frühjahr 2018 haben wir angefangen zwei weitere landwirtschaftliche Kooperativen aus Chumba Vyamboni und Makumbi Ole Pemba zu unterstützen, die Obst bzw. Gemüse anbauen. Die drei Kooperativen bieten zusammen fast 50 Frauen und Männern ein Einkommen.

feld melonenernte Februar 2018Die Matikiti-Kooperative in Wingwi auf Pemba wird beim Aufbau einer Melonen-Plantage seit Sommer 2017 unterstützt. Die Kooperative bietet insgesamt sechs jungen Menschen, die bis dahin arbeitslos und in großer Armut lebten, eine Beschäftigung. Nach einer Aufbauphase soll sich die Kooperative durch die Erlöse aus dem Verkauf der Melonen selbst tragen. Nach Möglichkeit sollen auch weitere Früchte und Gemüse angebaut werden. Im Januar 2018 besuchte der Vorstand die Kooperative. Die erste Ernte stand bevor. Allerdings gab es Probleme bei der Wasserversorgung, die durch einen Brunnenbau verbessert werden könnte.

weiterbildung abschluß weiterbildung1 weiterbildung5Den Kooperativen auf Pemba finanzierte Hilfe für Sansibar im Sommer 2018 eine Weiterbildung zum Thema "Ökologische Landwirtschaft" (Perma culture). Dort lernten sie unter anderem, besser mit den schwierigen Boden- und Wasserbedingungen auf Sansibar umzugehen, Saatgut und Dünger selbst und ökologisch herzustellen und auf kleiner Fläche ganz verschiedene Pflanzen anzubauen, um auf umweltschonende Weise möglichst große Erträge zu erzielen. Von jeder Kooperative, die wir auf Pemba unterstützen, nimmt ein Mitglied an der Schulung teil und wird das neu erworbenene Wissen anschließend an die anderen weitergeben. Bereits nach den ersten beiden Tagen der von einer NGO angebotenen Fortbildung sind die Teilnehmer überzeugt davon gewesen, in Zukunft noch erfolgreicher und gleichzeitig ökologischer arbeiten zu können. Im Juli 2018 haben alle die Fortbildung erfolgreich abgeschlossen und kehrten begeistert und voller neuer Ideen zurück zu ihren Kooperativen.

Ein voller Erfolg: Waziris Baobabfrüchtekleinhandel

P1080734 Im Juli 2014 erhielten wir über unseren Projektbetreuer auf Sansibar Shaha die Anfrage von Waziri, der einen Kleinhandel mit Baobabfrüchten aufbauen wollte und dafür Startkapital benötigte. Die auf Zanzibar sehr beliebten Baobabfrüchte sind dort Mangelware, da es nur sehr wenige Baobabbäume gibt und man sie auch nicht landwirtschaftlich anbauen kann. Waziri fährt deshalb zwei bis drei Mal im Jahr mit dem Schiff aufs tansanische Festland oder nach Kenia, um die dort sehr häufigen und billigen Früchte einzukaufen und sie anschließend auf Sansibar gewinnbringend weiter zu verkaufen. Für den ersten Einkauf brauchte Waziri Startkapitel, seitdem kann er den Kleinhandel selbständig weiterführen und der erzielte Gewinn hilft ihm, Schritt für Schritt der Armut zu entrinnen.

Wie wir uns bei unserem Besuch auf Sansibar im August 2015 überzeugen konnten, ist das Projekt bisher ein voller Erfolg. Auch mehrere Rückschläge - unter anderem eine grundlose Verhaftung durch Bestechungsgelder fordernde Polizisten in Kenia – konnten Waziris Aufstieg zum erfolgreichen Kleinhändler nicht stoppen. Mittlerweile konnte er eine Mitarbeiterin einstellen, die ihn beim Verkauf unterstützt. Und die harte Arbeit (seit über einem Jahr hat sich Waziri keinen freien Tag gegönnt) lohnt sich: Der 30-jährige, der trotz harter Arbeit bisher finanziell nicht in der Lage war, sein Elternhaus zu verlassen, um sich ein eigenes Leben aufzubauen, konnte sich bereits ein Grundstück kaufen und hofft, nächstes Jahr ein kleines Haus bauen und anschließend eine Familie gründen zu können.

Und bei all dem Glück, das er hatte, denkt er auch an seine Mitmenschen: Aus Dankbarkeit und um anderen zu helfen begann er bereits bald nach dem erfolgreichen Start seines Kleinhandels, kleine Beträge an unseren Partnerverein auf Sansibar zurückzuspenden, damit wir auch anderen eine solche Chance wie ihm ermöglichen können. Mittlerweile hat er bereits mehr Geld zurückgespendet, als er von uns erhalten hatte!

Eine große Geste, die uns großen Respekt abverlangt!