Kooperation

Unser Partnerverein Kilimani City

Von links: Juwaira, Katharina, Rashid, Daudi (Vorstand Kilimani), Neema, Shehe, Sebastian, Khamis (Vorstand Kilimani) Der sansibarische Verein Kilimani City Cooperative verfolgt sehr ähnliche Ziele wie unser Verein. Kilimani City versucht, jungen, sozial ausgegrenzten Menschen dabei zu helfen, einen Weg zurück in die Gesellschaft zu finden. Kilimani City wurde von einer kleinen Gruppe sansibarischer Geschäftsleuten gegründet, die alle selbst aus armen Familien stammen, sich aber in die Mittelschicht hochgearbeitet haben und nun auch anderen Menschen dabei helfen wollen, einen Weg aus der Armut zu finden. Kilimani City konzentrierte sich zunächst auf die Menschen im Stadtteil Kilimani, ist mittlerweile aber auch darüber hinaus aktiv.

Kilimani FC Um einen Zugang zu jungen Leuten ohne berufliche Perspektive zu bekommen, hat der Verein zunächst einen Fußballklub gegründet (Kilimani FC), in dem auch aus den verschiedensten Gründen sozial ausgegrenzte junge Sansibari spielen, so z. B. HIV-Positive, Jugendliche ohne oder mit nur sehr geringer Schulbildung und (ehemals) Drogen- oder Alkoholabhängige. Über die Zugehörigkeit zum Fußballteam versucht der Verein diese jungen Leute zu erreichen und ihnen zu helfen. So bietet der Verein den jungen Sansibari nicht nur regelmäßiges Fußballtraining, sondern auch die Möglichkeit, sich weiterzubilden (Sprachen, Computer) oder eine Ausbildung zu absolvieren, z. B. zum Fahrer oder zum Koch. Auch bei der Vermittlung von Jobs sind die Vereinsmitglieder behilflich. So versuchen sie, den jungen Leuten eine neue Perspektive zu geben, und sie wieder in die Gesellschaft zu integrieren.

Die Kooperative Wakulima Hai
2017 gründete Kilimani City die Kooperative Wakulima Hai, mit dem Ziel, noch mehr jungen Leuten eine berufliche Perspektive zu ermöglichen und dabei vor allem auch Frauen zu erreichen, für die es auf Sansibar ganz besonders wichtig ist, durch ein eigenes Einkommen unabhängig zu sein, um zu verhindern, früh (und teils gegen den eigenen Willen) verheiratet zu werden und danach in großer Abhängigkeit vom Ehemann leben zu müssen. Mit der Gründung der Kooperative löste sich Kilimani City auch endgültig aus dem Stadtteil Kilimani und wurde auch in ländlichen Regionen aktiv. Dies erschien den Mitgliedern deshalb besonders wichtig, weil es vielen jungen Menschen in den Dörfern völlig an Perspektiven fehlt. Viele ziehen deshalb in die Stadt und landen dort häufig sozial ausgegrenzt im Elend.

Unser wichtigster Helfer von Kilimani City - Daudi - bei der Arbeit für die Seegurken-Kooperative Die Kooperative Wakulima Hai begann zunächst als landwirtschaftliche Kooperative. Sie besteht aus mehreren Teil-Kooperativen, die sich in verschiedenen Dörfern befinden. In einer dieser Kooperativen werden Tomaten angebaut, in einer anderen Ananas. Außerdem gibt es eine Gewürzplantage sowie zwei Seegurkenfarmen. Die Teil-Kooperativen arbeiten zwar eigenständig, befinden sich jedoch alle gemeinsam unter dem Dach der Kooperative Wakulima Hai. Die Mitglieder von Kilimani City helfen und beraten die Kooperativenmitglieder, kümmern sich um Fortbildungen, um die Startfinanzierung und den Verkauf der Erzeugnisse und verwalten die Einnahmen. Dabei ist besonders der solidarische Grundgedanke hervorzuheben. Die Einnahmen aller Teil-Kooperativen fließen in einen gemeinsamen Topf, aus dem die laufenden Kosten bezahlt werden. Alle Mitglieder erhalten ein Grundgehalt, sodass unabhängig von eventuellen Einnahmeschwankungen die Lebensgrundlage eines jeden einzelnen gesichert ist. Gewinne werden unter allen Mitgliedern gleichmäßig verteilt. Dieses solidarische System führt dazu, dass Mitglieder auch ein gesichertes Einkommen erhalten, wenn in ihrer Teil-Kooperative die Einnahmen einmal gering ausfallen, weil zum Beispiel die Wetterverhältnisse für die Tomatenernte ungünstig sind. In diesem Fall finanzieren die erfolgreichen Teil-Kooperativen die anderen vorübergehend mit.

Die Kooperative war bisher ein großer Erfolg. Dies hängt auch damit zusammen, dass auf Sansibar die Landwirtschaft lange Zeit vernachlässigt wurde, viele landwirtschaftlich nutzbare Flächen liegen brach. Deshalb müssen viele landwirtschaftliche Erzeugnisse vom Festland importiert werden, was zu hohen Preisen führt. Ein weiteres Ziel der Kooperative ist es deshalb, diese Import-Abhängigkeit zu verringern und gute, biologisch angebaute Produkte zu erschwinglichen Preisen auf den Markt zu bringen.

Daudi bei der Tomatenernte Mitglieder der Kooperative bei der Melonenernte Weil die bisherigen Teil-Kooperativen bereits sehr erfolgreich laufen – sie bieten mittlerweile über 30 jungen Männern und Frauen ein gutes Einkommen - und in vielen Dörfern das Interesse sehr groß ist, ebenfalls Teil der Kooperative zu werden, ist es unser gemeinsames Ziel, die Kooperative im Jahr 2019 auszubauen, um weiteren Menschen die Chance auf eine Perspektive zu bieten. Zum einen soll mindestens eine weitere landwirtschaftliche Teil-Kooperative gegründet werden, zum anderen sollen auch Teil-Kooperativen in nicht-landwirtschaftlichen Bereich entstehen. Dadurch soll die Kooperative zum einen auf ein noch breiteres Fundament gestellt werden, um auch bei schlechten Wetterbedingungen oder fallenden Preisen für landwirtschaftliche Produkte ausreichende Einnahmen zu erwirtschaften. Zum anderen soll auch Menschen, die kein Interesse an der Arbeit in der Landwirtschaft haben, oder dazu nicht in der Lage sind, eine Perspektive geboten werden.

In einem ersten Schritt soll zunächst eine Wäscherei eröffnet werden, die vor allem Wäscheservice für Hotels anbietet. Der Bedarf dafür scheint groß, eine erste Testphase – mit den privaten Waschmaschinen zweier Mitglieder von Kilimani City – war so erfolgreich, dass das Ganze nun auf professionelle Beine gestellt werden soll. Dazu müssen vor allem größere Waschmaschinen angeschafft werden. Der Wäscheservice könnte mindestens zehn Frauen und Männern eine Arbeit bieten und es wäre eine Möglichkeit, vom boomenden Tourismus auf Sansibar zu profitieren. In einem weiteren Schritt sollen Kooperativen gegründet werden, die die landwirtschaftlichen Erzeugnisse weiterverarbeiten, zu Säften, Marmeladen, Tomatenpaste usw.

Hilfe für Sansibar möchte Kilimani City bei seinen Plänen weiterhin nach Kräften unterstützen. Denn wir sind davon überzeugt, dass die Kooperation mit Kilimani City für unseren Verein eine große Chance darstellt, da die beiden Vereine sehr ähnliche Ziele haben und wir außerdem auf die Zusammenarbeit mit sansibarischen Partnern angewiesen sind, die unsere Interessen auf Sansibar vertreten, weil wir trotz regelmäßiger Besuche die meiste Zeit nicht vor Ort sein können. Des Weiteren finden wir es wichtig zu zeigen, dass es auch auf Sansibar viele Menschen gibt, die sich sozial sehr stark engagieren, die versuchen, ihren Mitmenschen, die Unterstützung brauchen, zu helfen. Durch eine starke Zusammenarbeit mit sansibarischen Partnern können wir nicht nur den Sansibari helfen, die Hilfe benötigen, sondern auch denen, die selbst sozial engagiert sind.

 

Shaha – unser wichtigster Helfer vor Ort

ShahaEr ist unser wichtigster Helfer für Sansibar. Shaha betreut die meisten unserer Projekte vor Ort, er begleitet die Menschen, die wir unterstützen ganz intensiv, steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite, überbringt die Spenden, sendet uns ausführliche Berichte und aktuelle Fotos, beantwortet geduldig all unsere Fragen, gibt uns wertvolle Tipps und Einschätzungen und, und, und … all das macht Shaha – genau wie alle anderen Mitglieder des Vereins – ehrenamtlich! Shaha arbeitet als Krankenpfleger in einem Krankenhaus. Neben seinem Engagement für unseren Verein ist Shaha auch noch Mitinitiator der NGO ZAMECO, deren Ziel es ist, die Menschen über medizinische Fragen aufzuklären und vor allem psychisch Kranken sowie Alkohol- und Drogenabhängigen zu helfen, die unter starker sozialer Ausgrenzung leiden. ZAMECO betreibt unter anderem eine Entzugsklinik und versucht, den Menschen nach einem Entzug auch bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu unterstützen.

Shaha hospitalini Auf die Frage, ob ihm all die ehrenamtliche Arbeit für unseren Verein nicht zu viel werde, schrieb uns Shaha Folgendes: „Die Arbeit für den Verein bereitet mir sehr,  sehr große Freude. Erst vor Kurzem wurde mir im Psychologieseminar bestätigt, dass jeder Mensch es verdient, dass man ihm Gutes tut und ihm hilft, ganz egal, ob man dafür einen Lohn bekommt oder nicht. Auch in einem islamischen Hadith (arab.: „Erzählung“) wird von einer Frau berichtet, die sehr oft und sehr lange zu Gott betet und als sie eines Tages gefragt wird, warum sie so viel bete, da antwortet sie: Ich bete nicht, um eine Belohnung dafür zu bekommen oder um ins Paradies zu gelangen. Ich bete ganz einfach zu Gott, weil er es verdient. Sollte ich ins Paradies kommen, habe ich dies seiner Gnade zu verdanken, nicht meinen Gebeten. Diese Geschichte zeigt, dass man Gutes tun sollte, ohne dafür eine Belohnung zu erwarten. Ich helfe sehr gerne der Gesellschaft, ich tue dies bereits seit mehr als fünf Jahren. Und ich liebe diese Arbeit, durch sie kann ich „eine gute Geschichte meines Lebens schreiben“ [wörtlich übersetzt].
Und ich weiß, dass ich dadurch mehr gewinne als viele andere. Lass mich dir ein Beispiel geben:

DSCN5006Erinnerst du dich, dass ich Freiwillige aus Europa betreut habe, ohne dafür Geld zu bekommen? Aber ich habe trotzdem sehr viel gewonnen: Ich habe verschiedene Leute kennengelernt und neue Freunde gefunden! Lass mich dir eine Frage stellen: Glaubst du wirklich, dass ich von meiner Arbeit für euren Verein nicht profitiere? Doch! Ich profitiere sehr davon! Ich schließe Freundschaften mit den Menschen, denen ich über euren Verein helfe, viele sehen mich mittlerweile als Teil ihrer Familie und ich bin ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens geworden. Und ich glaube auch, dass, wenn ich eines Tages in Not geraten sollte, mir Gott helfen wird, so wie ich anderen geholfen habe. Wenn jemand dir „Danke“ sagt, dann ist das keine Kleinigkeit! Was glaubst du, was werden Buheti, Nuhu, Kizae und seine Mutter, Fatma und die anderen denken, was für ein Mensch ich bin? Sie werden mich für einen wichtigen Menschen in ihrem Leben halten und von Herzen spüren, dass ich sie sehr liebe und mich um sie kümmere! Das ist der Grund, warum ich mich dem Verein Hilfe für Sansibar angeschlossen habe: Es ist eine einzigartige Möglichkeit für mich, allen Sansibari zu zeigen, wie sehr ich sie liebe!“

insitut für ökologische landwirtschaft shaha im institutDank einer zweckgebundenen Spende kann Shaha im Sommer 2018 eine Fortbildung zum Thema "Ökologische Landwirtschaft" absolvieren. Die Fortbildung, die von einem Institut auf Sansibar angeboten wird, wird es Shaha ermöglichen, unsere Landwirtschaftskooperativen besser zu betreuen und zu beraten.